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Datei:Mkf-6b.jpg

Die Kamera MKF-6 war eine in der DDR für die kosmische Fernerkundung der Erde gebaute Kamera, auch als Multispektralkamera bezeichnet. Sie war mit 6 Objektiven ausgerüstet, mit denen sie gleichzeitig 6 Fotos in 6 verschiedenen Lichtwellenbereichen aufnehmen konnte. (daher die Zahl 6 im Namen); ausserdem konnten die Film- und Filterkombinationen je nach Einsatz abgeändert werden. Sie hatte ein hohes räumliches Auflösungsvermögen.

Der erste Einsatz einer MKF 6 erfolgte im September 1976 an Bord des Raumschiffs Sojus 22. Das Raumschiff wurde dazu modifiziert und erhielt statt des Kopplungsadapters einen Anbau, der die Kamera aufnahm. Danach wurde an der Vervollkommnung der Kamera gearbeitet, die ab 1978 auf der Raumstation MIR und auf einigen Saljut-Stationen als MKF 6M zum Einsatz kam, auch beim Weltraumflug des DDR-Kosmonauten Sigmund Jähn. Daneben wurde sie auch in Flugzeugen für Bodenaufnahmen verwendet.

Die MKF-6 war eine Kombination von Fotogrammetrie und Spektrometrie. Erprobt wurde sie durch ein sowjetisches Flugzeug auf speziellen Flugrouten. Das geowissenschaftliche Flugprogramm dieser Tests stammte vom "Zentralinstitut für Physik der Erde" der Akademie (ZIPE) geleitet von Heinz Kautzleben (ab 1973 Direktor des ZIPE, ab 1979 Mitglied der [1][new] der DDR).

Wegen möglicher Spionage mit dieser Kamera durfte sie nicht in kapitalistische Länder exportiert werden.

Gebaut wurde sie vom Kombinat VEB Carl-Zeiss-Jena, mit organisatorischer Hilfe des "Institutes für Elek tronik" der "Akademie der Wissenschaften der DDR" (IE der Ad W[new]), welches im Mai 1973 gegründet worden war. Das IE wurde 1981 in "Institut für Kosmosforschung" der Akademie (IKF) umbenannt - ihr Direktor wurde Robert Knuth, ein langjähriger Mitarbeiter von Ernst August Lauter in Kühlungsborn und Neustrelitz und in der Erforschung der Hochatmosphäre tätig. (Akademiemitglied Ernst August Lauter war Direktor des "Heinrich-Hertz-Institutes für solar-terrestrische Physik" der Akademie und anfangs Vorsitzender des "Wissenschaftlichen Beirats Interkosmos", der das "Koordinierungskomitee Interkosmos" ("[2]") beriet; das Komitee Ko Ko hatte weitreichende Vollmachten und finanzielle und materielle Mittel aus einem speziellen Planteil im "Staatsplan Wissenschaft und Technik" ; den Vorsitz des "Ko Ko" hatte ein stellvertretender Minister des "Ministeriums für Wissenschaft und Technik"(MWT) ). (siehe auch Plan Wissenschaft und Technik)

Das MKF 6[new]-Projekt war für viele Forschungsinstitute und Institutionen der DDR der erste Schritt zur kosmischen und luftgestützten Fernerkundung der Erdoberfläche, die entstandenen Kamerabilder wurden genutzt zur Suche nach Bodenschätzen, zur Beurteilung land- und forstwirtschaftlicher Kulturen und Flächen, zur Bestimmung des Erntezeitpunktes, zur Kartographierung, zur Beurteilung von Wasserqualität und Bodenqualität, für militärische Aufklärung, zur Umweltforschung, für meteorologische Aussagen (Wetterforschung), etc. Nicht lange nach diesem Projekt wurde im Interkosmos-Programm der sozialistischen RGW-Staaten die Erdfernerkundung als eingene Arbeitsrichtung eingerichtet, was schließlich zu mehrseitigen Regierungsabkommen auf dem Gebiet der Fernerkundung führte; das in der DDR vom "Zentralinstitut für Physik der Erde" der Akademie (ZIPE) und seinen Arbeitsgruppen umgesetzt wurde.

Die Baukosten der Kamera betrugen 82 Millionen Mark (Mark der DDR). Sie galt seinerzeit als die beste Weltraumkamera, sie wird aber auch heute teilweise noch eingesetzt. Daneben wurden in Weltraummissionen des Interkosmos-Programms etwa 100 in der DDR entwickelte Geräte verwendet, in den Bodenstationen etwa 150 Geräte. Die Zusammenarbeit zwischen dem VEB Carl-Zeiss-Jena und der [3] bei der Ausrüstung von Satelliten und Bodenstationen gab es ab Mitte der 70er Jahre, das erste praktische Ergebnis dieser Zusammenarbeit war die Entwicklung der MKF-6.

Am Ende der 70er Jahre wurde ein mehrseitiges Regierungsabkommens der sozialistischen Länder (darunter auch die DDR) abgeschlossen über die Teilnahme an den bemannten Weltraumflügen der Ud SSR. Dadurch wurde 1978 der Raumflug von Sigmund Jähn auf der Orbitalstation Salut-6 ermöglicht, dessen persönliches wissenschaftliches Programm vom "Ko Ko" vorbereitet und ausgewertet wurde, organisatorisch begleitet vom Sekretariat des "IE", das damals Ralf Joachim leitete. wurde. Neben physikalischen und biologischen Experimenten in der Schwerelosigkeit und neben medizinischen Untersuchungen wurden von Sigmund Jähn Aufgaben der Untersuchung und Fernerkundung der Erdoberfläche und der Atmosphäre durchgeführt, zum Teil unter Nutzung der installierten "MKF-6". Mit seinen Untersuchungen zur Fernerkundung promovierte Jähn in der Akademie der Wissenschaften der DDR zum Dr. rer. nat.

Die Ergebnisse und Erfahrungen mit der MKF-6 flossen später während der Zeit der DDR und danach in die Entwicklung von Geräten, in Forschungen und Datenauswertungen für weitere Missionen ein: Entwickelt und eingesetzt wurden Infrarot-Fourier-Spektrometern zur Erforschung der Venus-Atmosphäre (Venera-15/16-Mission im Jahr 1983). (angeleitet von Volker Kempe, seit 1984 Akademiemitglied), und von Dieter Spänkuch, seit 1996 Mitglied der Leibniz-Sozietät) Geräte und Entwicklungs- und Forschungsbeteiligung an der [4][new]-Mission 1986 (Sonden VEGA 1 und VEGA 2 zur Venus und zum Kometen Halley). Hauptsächlich wurden die Bilddaten des Halleyscher Kometen empfangen, verarbeitet und interpretatiert Beiträge zur Planeten-Mission Mars-94 und Mars 96, z.B. mit der Entwicklung der optoelektronischen Weitwinkel-Stereokamera WAOSS Beteiligung an der Marsmond Phobos-Mission 1988/89, die wesentlich umfangreicher als die DDR-Beteiligung an der VEGA-Mission war. Das "Zentralinstitut für Kybernetik und Informationsprozesse" der Akademie hatte wesentlichen Anteil an der Entwicklung des Kamera-Komplexes Fregat. Die Phobos-Mission ist zwar wegen vorzeitigem Ausfall der Sonde fehlgeschlagen, und es konnten nur wenige Daten und Bilder empfangen werden, jedoch wurden zumindest diese intensiv ausgewertet.

Fazit: Die Entwicklung, der Bau und Einsatz der MKF-6 war für die DDR einerseits Einstieg in die weltraumgestützte Erdfernerkundung und hat andererseits das wissenschaftliche Ansehen der in der DDR betriebenen Weltraumforschung gefördert sowie vielfach nützliche Informationen für Forschungsarbeiten und praktische Anwendungen in der DDR und anderen sozialistischen Staaten geliefert.

siehe auch: Multispektralprojektor MSP 4

Weblinks:Bearbeiten

http://gruppen.tu-bs.de/studver/euroavia/lectures/umwelt/ http://bilddb.rb.kp.dlr.de/deutsch/Bild.asp?qryIDBilder=336

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